Full text: Linz und seine Umgebungen

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DaS StiftSgebäude hat einen gewaltigen Umfang 
und drey Höfe, zu welchen eben so viele Thore führen. 
Tritt man durch das äußere Thor, so sieht man zu bey- 
den Seiten schöne Wirtschaftsgebäude mit Ställen zu 
einem zahlreichen Viehstande. Ueber Teiche, in welchen 
sich auch wilde Acuten nnd Schildkröten befinden, führt 
eine Brücke in das Innere, wo die zwevte Abtheilung 
des Gebäudes die zu den Studieranstalten nöthigen 
Zimmer, die dritte und innerste die Kirche, die Präla- 
tur nebst den übrigen Conventsgebäuden enthält. Die 
meisten der Gebäude sind schön, obschon nicht in glei- 
chem Gefchmacke, da sie nur nach und nach hervorgegan- 
gen sind, und, wie bey den meisten Stiftern, nicht 
ein und derselbe Plan befolgt wurde. Jndeß unterschei- 
den sich auch die ältesten Theile des Ganzen vortheil« 
Haft vor den mchresten Stifiszebäuden, durch dieHöhe 
und gute Einrichtung der Zimmer, wie durch die Breite 
und Helle der Gänge. Die neuesten Gebäude sind aus 
dem siebzehnten Jahrhundert, bis auf den Sommer- 
Speisesaal und die Sternwarte, welche noch später ge- 
baut wurden. In der Kirche von beträchtlicher Größe, 
und mit einem mächtigen Portale, sieht man einige Ge- 
mählde von Werth, als am Hochaltar die Himmelfahrt 
Christi von Wolf, einem vormahligen Hofmahler in 
München, das Altarblatt der Capelle von Schmidt, 
und an einem Seitenaltare einen Johannes und Pau- 
lus von Sandrart. In dem prächtigen Sommerspeise- 
faale sind die Gemählde aller Kaiser aus dem Habs- 
burgisch - österreichischen Hause, von Rudolph I. biZ 
auf Carl den VI.; die aus dem Lothringnch-österreichi- 
sehen Hause befinden sich in einem andern Zimmer. 
Merkwürdig sind in diesem Saale auch die Springwas¬ 
ser, welche sich in einen Bassin und auf die Tafel deS 
Prälaten ergießen. Ueberhaupt hat das Stift einen 
Ueberfluß vorzüglich guten Wassers, welches auch in
        

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