Full text: Linz und seine Umgebungen

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tenfahrts - Gesellschaften eine längere Zeit über das sehr 
dicke Eis Statt haben konnten. Die Fahrt schien mir 
hingegen weniger geschwind zu gehen, denn über den 
Bodensee brauchte ich von Constanz bis Mörsburg, wo 
man die Breite desselben auch zu vier Stunden annimmt, 
bey stillem Wasser und günstigem Winde nicht mehr 
als 55 Minuten. Gleichwohl hatte ich auf dem Gmund» 
ner-See ein leichteres, nur mit zwey Personen besetztes 
Schiff, und das eine Mahl, wo ich 1 Stunde fuhr, 
nicht weniger Ruderer, und beyde Mahle blies ein gün- 
stiger Wind in das Segel. Gewöhnlich nimmt man 
nur drey Ruderer, wenn aber die kleinste Art von Plet- 
ten nicht zu haben ist, sind vier erforderlich. Diese 
Pletten sind zur Fahrt die bequemsten Schiffe, denn 
in den Kobeln, welche in der Mitte eine bedeckte Hütte 
für sechs Personen haben, kann man der schönen Aus- 
ficht weniger genießen, und überdieß werden sie, wenn 
ein Sturm entsteht, wegen ihrer Höhe leichter von dem- 
selben ergriffen. Obwohl einem wahrlich ein Zähkom¬ 
mender Sturm, der durch den Wirbel des allgemein 
gefürchteten Viechtauer- oder des Traunstein«- und 
Oberwindes entsteht, keinen geringen Schrecken verur- 
sacht; daß man jeden Augenblick in der Gefahr schwebt, 
die drohenden Wellen verschlingen den Nachen: so liegt 
doch bey einem wirklichen Unglücke, das doch sehr selten 
ist, Fahrlässigkeit und Unbesonnenheit zum Grunde. 
Die Schiffleute haben gewisse Kennzeichen eines solchen 
Sturmes; und man kann ja durch Landen an dem west- 
lichen Ufer, wo, eine Stelle ausgenommen, überall an- 
zufahren ist, leicht ausweichen. Alle Schiffe ziehen bey 
günstigem Winde Segel auf. Die von Bretern ge- 
machten gehören unter die sehr seltenen Ausnahmen, 
und werden nur von solchen Schiffleuten angewendet, 
welche keine von Leinwand haben. Kleinere Schiffe 
führen nur ein Segel; die größten Salzschiffe, welche
        

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