Full text: Linz und seine Umgebungen

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steuer bekommen. Diese Stiftung ist die einzige, welche 
gegenwärtig noch unverändert besteht, alle übrigen, 
vorhin genannten, erhielten durch Joseph II. eine an- 
dere Gestalt. Er vereinigte sämmtliche Stiftungen zu 
einem gemeinschaftlichen Fond. Diesen verwaltet eine 
Landesstelle, welche den einfachen Titel hat: milde Ver- 
svrgungsanstalt. Die Verwendung der Stiftungsgel¬ 
der geschieht jedoch immer noch nach dem Willen der 
Stifter, und bey Pruner- Stiftungen findet selbst das 
von ihm festgesetzte Präsentationsrecht noch bis jetzt 
Statt. Mit dem Stiftungsgebäude, dessen Aenßeres 
nicht das schöne, helle und weitläufige Local vermuthen 
läßt, welches .man im Innern findet, ist jedoch eine 
große Veränderung vorgegangen. Jetzt^ enthält das 
Hauptgebäude ein Gebärhaus, das Seitengebäude 
ein Irrenhaus. Im ersten, worin die Capelle zum 
Privatgebrauche noch besteht, werden arme Schwangere 
aus der Stadtgemeine, oder Fremde, welche sich schon 
zehn Jahre in der Stadt aufhalten, und Zeugnisse ihres 
Wohlverhaltens aufweisen können, unentgeldlich ent- 
bunden und verpflegt. Für andere Schwangere sind 
drey Classen eingetheilt, von welchen die erste, die am 
meisten zahlt, eigene Zimmer und besondere Bedienung 
erhält. Da gegenwärtig wegen den Zeitumständen auch 
diese Zahlungen über den ursprünglichen Satz haben 
erhöht werden müssen, lassen sie sich nicht genau bestim- 
men. Wollen die Entbundenen, bey dem Austritte 
aus dem Hause, das Kind demselben überlassen, so 
zahlen sie, die unentgeldlich aufgenommenen abgerech- 
net, eine ebenfalls sehr geringe Summe, welche nach 
den drey verschiedenen Classen mehr oder weniger ist. 
Seit dem Jahre 1832 besteht in Linz eine wohl 
vrganisirte Findel anstalt sür die Provinz, und die 
Findelkinder werden nach Einrathen des Arztes bis zum 
vollendeten zehnten Jahre gegen einen Erziehungsbcy-
        

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