Full text: Linz und seine Umgebungen

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oder auch nur durch Ueberbleibfel derselben weder- 
gedrückt wird. Im geräumigen Hause sieht man überall 
große Reinlichkeit, und jene Fülle, durch welche sich der 
ländliche Wohlstand verkündigt. Gewöhnlich befindet 
sich dabey ein kleineres Gebäude, welches zur Aus- 
nähme und Bewirthung der Gäste, dem Besitzer, wenn 
er im Alter sein Gut dem Sohne überläßt, zum Aus- 
zuge dient/ und davon den Nahmen hat. In den luf- 
tigen gewölbten Ställen steht eine Menge schönes Vieh, 
10 bis 12 Pferde, 30 bis 40 Stück Rindvieh, und 
kleineres verhältnißmäßig. Die Race ist gut, Pferde 
sind dem Besitzer für 200 fl. Conventionsmünze mcht 
feil. Auf den Speichern, im Milchkeller, in den Ge- 
schirrkammern herrscht gleiche Ordnung und Fülle, wie 
in den Borrathskammern für mancherlei) Lebensbedurf- 
nisse, besonders geräuchertes Fleisch aller Art. Zu den 
Vorräthen gehört vornehmlich auch selbst erzeugte Lein- 
wand, wovon manche Familie so viel besitzt, daß sie 
sür ihre ganze nächste Generation hinreichend scheint. 
Jndeß ist davon auch der Verbrauch sehr groß, weil 
das Gesinde den nöthigen Bedarf erhält. Die Keller 
sind gefüllt mit Obstwein, welcher hier Most, ohne 
weitern Beysatz, heißt, und wovon ein solcher Land- 
wirth 300 bis 500 Eimer jährlich gewinnt. Viele von 
den Bauern brennen aus Erdäpfel, Zwetschken, wenp 
qer aus Getreide Branntwein für den eigenen Gebrauch 
und zum Verkaufe. Gewöhnliches Getränk für ihn ist 
der Most, als Labetrunk für das Gesinde, dessen Zahl 
sich von beyden Geschlechtern auf 30, auch wohl noch 
höher beläuft. Jedes Individuum hat einen, dessen 
Verrichtungen bezeichnenden Nahmen. Der oberste 
Knecht, welcher dem Ganzen vorsteht, und nothfaÜs 
die Stelle des Herrn versieht, heißt Baumann. Meist 
sammeln diese Leute von dem Ertrage ihrer weitläufigen 
Güter ein Capital, um ihre Kinder, außer dem Erben
        

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