Full text: Linz und seine Umgebungen

zu nehmen, oder eine Mittelmahlzeit zwischen den bey- 
den Hauptmahlzeiten, Mittags und Abends. Manche 
Fremde aus Ländern, wo dieses nicht gewöhnlich ist, 
machen den Südländern ihre Eßlust zum Vorwurfe; 
sie ist aber wirklich eine Folge der höheren Fruchtbarkeit 
viefer Länder, zum Theil auch des Weintrmkens und 
des Klima's. Sehr natürlich wird in Landern, wo die 
Lebensmittel wohlfeiler sind, und größere Fruchtbarkeit 
allgemeinen Wohlstand verbreitet, mehr und besser ge¬ 
gessen, als in weniger begünstigten, und man macht 
diese Erfahrung allgemein in Oesterreich, wie in der 
Schweiz, in Schwaben und den Rheingegenden. Warum 
sollte man aber hieran ein Aergerniß nehmen? Gewährt 
nicht eine Gesellschaft fröhlicher, mit gutem Appetite 
gesegneter Esser einen weit erfreulicheren Anblick, als 
eine Gruppe von Spielern, welchen Leidenschaften und 
die Mißgunst Fortunens das Gesicht verzerren? Ueber- 
dieß thut diese bessere Pflege des Leibes dem Geiste kei- 
nen Eintrag, wie der gesellschaftliche Ton in den vor- 
hin genannten Ländern beweis't; denn er ist weder mehr 
noch weniger geistvoll, als an der Elbe oder an der 
Spree. Ueberall gehört es zu den glücklichen Zufällen, 
in großen gemischten Gesellschaften geistvolle Unterhal- 
tung zu finden. 
Der gewöhnliche gesellschaftliche Umgang in Linz 
gewinnt dadurch sehr, daß das schöne Geschlecht von 
allen (Staffen lebhaften Antheil nimmt, und in Gesell- 
schaft der Männer die öffentlichen Orte aller Art be- 
sucht, doch nicht die Kaffehhäuser. Der Ruhm der 
Schönheiten von Linz hat sich durch mehrere Reisende 
allgemein verbreitet, obschon der eigentlichen Schön- 
Helten , nach strengen ästhetischen Regeln, hier nicht 
mehr seyn mögen, als verhältnismäßig in andern Städ¬ 
ten. Findet man indeß auch nicht viele griechische Pro-
        

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