Full text: Linz und seine Umgebungen

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fite; so sieht man doch eine Menge reitzvoller, blühen- 
der, voller, zum Theil hoher und schlanker Gestalten. 
Die Linzerinnen haben meistens einen leichten Eon« 
versationston. Selbst unter denen vom Bürgerstande 
findet man zuweilen eine nicht gemeine Bildung, da 
manche der reichern Bürger ihren Töchtern eine bessere 
Erziehung geben, sie im Clavier, Singen, im Fran- 
zösischen und Italienischen unterrichten lassen. Zu be- 
dauern ist es nur, daß die mehresten Romane und Schau- 
spiele in allen Ländern die allgemeinste Lectüre des schö- 
nen Geschlechtes, aber nicht dazu geeignet sind. 
Um sich auch mit guten belletristischen Büchern un- 
terhalten zu können, existirt in der Klostergasse Nro.Z9 
eine öffentliche Leihbibliothek, welche Friedrich Eurich 
unterhält. 
Ueberall im südlichen Deutschland findet ma^«M 
für das Ganze wohlthätige , dem Menschenfreunde er- 
freuliche Mischung der Stände in öffentlichenMesell- 
schaften, so auch in Linz, wo besonders zwischen dem 
Militär- und Civilstande das gute Verha'ltniß^Statt 
findet. Schon in allen Gasthäusern ist jene Mismung 
der Stände bemerkbar, doch weil darin mehrere Am- 
mer sind, in welchen sich die Gesellschaften rangiren, 
weniger als in Gärten und andern Orten im Freyen. 
Hier sieht man Personen vom höchsten Civilrange, mit 
Bürgern und Landleuten, Generale, Stabs- und an- 
dere Ossiciere mit gemeinen Soldaten in bunter Mi- 
schung. Schöne Gewohnheit, die den Menschen dem 
Menschen mehr nähert, und gegenseitig die Achtung 
einflößt, welche jeder Einzelne durch sich selbst verdient, 
nicht wegen seines Ranges oder Amtes. 
Den Fremden wird der Zutritt in die häuslichen 
und öffentlichen Zirkel von den geselligen Linzern gern 
gestattet, besonders wenn sie ein verständiges und jovia 
les Betragen zeigen. 
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