Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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Einzelne Culturvölker haben die Unterscheidung dieser 
principiell verschiedenen Bautheile nicht betont, dazu werden 
wir die meisten vorgriechischen Völkerschaften rechnen 
müssen; andere haben dieselben in schärfsterWeise durch­ 
geführt, dazu gehören insbesondere die Griechen; noch andere 
Culturvölker haben diese principiellen Unterscheidungen mit 
mehr oder weniger Freiheit behandelt, wie man dies bei allen 
nachgriechischen Völkern bis auf unsere Zeit ersehen kann. 
Nun wird die Frage entstehen: Wodurch unterscheiden 
sich ihrer äusseren Erscheinung nach die structiven Bau­ 
theile von den neutralen? Die Antwort hierauf ist: Durch 
die richtige Anordnung des für diese Bautheile passenden 
Ornamentes. Um nun das passende Ornament zu finden, 
werden wir zunächst sagen müssen, dass schon der Natur 
der Sache nach structive Bautheile eine Ornamentierung 
werden erhalten müssen, die sich auf die structive Thä- 
tigkeit des Baugliedes bezieht, solche Ornamente wollen 
wir structive Ornamente nennen; ebenso folgerichtig werden 
alle neutralen Bautheile einen Schmuck erhalten sollen, der 
sich jeder Andeutung einer structiven Function enthält, 
und in freier Weise wesentlich den Bedingungen der Raum­ 
ausfüllung und den allgemeinen Gesetzen der Schönheit 
zu genügen hat, solche Ornamente wollen wir neutrale 
oder freie Ornamente nennen. Als, Beispiel mag der do­ 
rische Fries angeführt werden, welcher beide Bestandtheile 
aufzuweisen hat u. zw. die entschieden structiven Triglyphen 
und die vollkommen neutralen Metopen. Das Ornament der 
Triglyphen besteht in einer Art Cannelur — den Glyphen — 
welche den Zweck haben die structive Thätigkeit dieses 
Baugliedes hervorzuheben — während die Metopen figúrale 
Darstellungen aufweisen, die mit der Andeutung einer Con- 
struction absolut nichts zu thun haben.
        

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