Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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Der griechische Künstler der besten Zeit stellt den 
Menschen am liebsten so dar, wie er am schönsten ist — 
nämlich nackt. Der wohlgebildete menschliche Körper ist 
von so grösser, erhabener Schönheit, dass der durch Über- 
cultur noch nicht verdorbene Grieche nichts Anstössiges 
daran fand, denselben öffentlich zu zeigen, wie dies ins­ 
besondere bei Kampfspielen und wohl auch bei feierlichen 
Aufzügen geschah, die Bildhauer aber, welche jeden Tag 
Gelegenheit hatten, die herrlichsten Körper nackt und in 
voller Muskelspannung zu studieren, wussten, was sie sahen, 
in ihren Werken auf das Beste zu verwerthen. 
Fig. 89. Relief vom Harpyienmonument zu Xanthos. 
(Kunsth. Bg.) 
Neben den nackten Figuren pflegte der vollendete 
griechische Stil die Statuen auch mit einem Gewände in 
freiem, vollen Faltenwurf zu bekleiden, während die alter- 
thümlichen (archaischen) griechischen Sculpturen eine eng 
anliegende, fein gefältelte Gewandung zeigen, zu welchem 
das symmetrisch geringelte Bart- und Haupthaar, noch in 
halbasiatischer Weise angeordnet, sehr wohl passte. (Fig. 89.) 
Es wird uns aber fernerhin noch interessieren, zu unter­ 
suchen, wie sich in Griechenland das Verhältnis der 
Figuren zum gegebenen Raume gestaltete. In dieser Be-
        

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