Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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heraustretenden Stierköpfen getragen werden. Am Tempel 
des Antonin und der Faustina sind es Greifen, die in rein 
ornamentaler Anordnung in strenger Profilstellung zwischen 
Vasen und Pflanzenornamenten eine ähnliche Stellung ein­ 
nehmen, wie die Greifen im Friese des Apollotempels zu 
Milet (Vergl. Fig. 81), in beiden Fällen entwickeln sie kein 
individuelles Leben, sondern haben sich wie ein Pflanzen­ 
ornament den strengen Gesetzen der Symmetrie und der 
wiederholten architektonischen Anordnung zu fügen. Am 
Sonnentempel Aurelians (Frontispice des Nero) ist der Fries 
sogar nur mit einem üppigen, plastischen Pflanzengeranke aus­ 
gefüllt. An weiteren sehr häufig vorkommenden Beispielen sind 
die neutralen Felder, namentlich der Fries und das Giebelfeld 
absichtlich leer gelassen, insbesondere wird sich dies an den 
römischen Massenbauten nachweisen lassen, welche weniger 
durch reiche Gliederung und Decoration, als durch ruhige, 
mächtige Wirkung der Masse imponieren und wo eine 
Decorierung des Frieses entweder keine wesentliche Wirkung 
machen oder sogar die Ruhe der imposanten Massen stören 
könnte, als bestes hierher gehörendes Beispiel muss das 
Colosseum erwähnt werden, das in sämmtlichen Friesen 
keinen Schmuck aufzuweisen hat. Bei griechischen Friesen 
und Giebelfeldern lässt sich im Allgemeinen annehmen, dass 
stets mindestens die Absicht vorhanden war, dieselben mit 
Figuren zu schmücken, wo diese Bauglieder dennoch leer 
blieben, fehlte es an den Mitteln oder es traten andere 
Umstände störend dazwischen. 
Während nun einerseits in der römischen Baukunst 
die figuralen Compositionen in Friesen und Giebelfeldern ihre 
Alleinherrschaft wesentlich eingebtisst hatten, nahmen sie 
anderentheils Bautheile für sich in Anspruch, die in Griechen­ 
land nicht dazu verwendet wurden oder gar nicht existierten.
        

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