Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

Durch die Verbindung des römischen Bogenbaues mit 
dem Säulenbau entstanden Bautheile, die in Griechenland 
nicht existierten, die daher ihre formale Behandlung aus­ 
schliesslich in Rom erhielten, dazu gehört namentlich der 
Bogenzwickel. Dieser ist, trotzdem er von structiven Theilen 
rings umgeben ist, ein eminent neutrales Feld, er gehört 
der Wand an und wurde vielleicht in den ältesten Zeiten 
durch Mauerwerk gar nicht ausgefüllt, auf alle Fälle ist 
es ein Bautheil, der mit der Construction nichts zu thun 
hat und sehr charakteristisch mit fliegenden Gestalten 
verziert zu werden pflegte, welche jedenfalls weit richtiger 
angeordnet erschienen, als viele Zwickelfiguren der späteren 
Renaissancezeit, die, um den Raum gänzlich auszufüllen, 
Figuren in den Raum hineinzwängten, die weder sitzen, 
noch stehen, noch liegen können und infolge dessen auf 
den Beschauer den Eindruck machen, als wenn sie da oben 
wahre Folterqualen ausstehen müssten. 
Zu einigem Nachdenken geben ferner die römischen 
Triumphalsäulen Veranlassung, diese tragen, hoch erhoben 
über dem Treiben des gewöhnlichen Lebens, die Statue 
eines Imperators und weisen ein mit figurenreichen Com- 
positionen geschmücktes Band auf, das sich spiralförmig 
um den ganzen Säulenschaft umlegt. Letztere Anordnung 
entspricht nicht den antiken Formengesetzen, indem ein neu­ 
trales Feld auf einem eminent structiven Bautheil, welcher 
der Säulenschaft auf alle Fälle ist, geschaffen wurde, ausser- 
dern ist die Lage und Höhe der oberen Relieftheile eine 
solche, dass die Sculpturen kein unbewaffnetes Auge mehr 
zu sehen und demnach auch zu würdigen vermag, dagegen 
muss berücksichtigt werden, dass diese Triumphalsäulen 
keine architektonische Last zu tragen haben, sondern bloss 
die Statue eines römischen Kaisers, demnach nicht den
        

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