Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

Ornament an seinem Platz und tritt die Hauptform wie 
die Decoration in klarer Weise hervor. (Fig. 119.) 
Der gothische Stil. Wurde das animalische Element 
und namentlich die menschliche Gestalt in den bisher 
kennen gelernten Stilarten häufig gebraucht, so zeichnet 
sich der gothische Stil durch eine massenhafte Anwendung 
der menschlichen Figur aus, wurde die menschliche Gestalt 
in dem altchristlichen und romanischen Stile fast aus­ 
schliesslich in christlich tendenziösem Sinne verwendet, so 
treten in der gothischen Periode noch neue Elemente hinzu, 
die einen hervorragenden Einfluss auf figurale Gestaltungen 
nehmen, es ist dies insbesondere das Ritterthum und das 
Bürgerthum, auch merkt man sehr wohl, dass bei aller 
Gläubigkeit der gothischen Baumeister die Ausübung der 
Architektur sich nicht mehr in den Händen der Kloster­ 
geistlichen befindet, indem das profane Element dem 
christlichen mindestens gleichberechtigt gegenübersteht. 
Mit besonderer Vorliebe wird insbesonders die mensch­ 
liche Gestalt angewendet und zwar einestheils in plastischen 
und gemalten historischen Compositionen, mit welchen wir 
uns nicht eingehend befassen können, indem uns dies zu 
weit ab von unserem Thema führen würde und anderen­ 
teils mit der allein stehenden menschlichen Gestalt, welche 
wir einer näheren Besprechung unterziehen müssen, nach­ 
dem dieselbe in enger Beziehung zur Architektur selbst 
tritt. Die für den gothischen Stil am meisten charak­ 
teristische Art der Anwendung der menschlichen Figur ist 
jene, bei welcher dieselbe auf einer Console oder einem 
dünnen Säulchen steht und von einem Baldachine be­ 
schirmt erscheint, letzterer ragt entweder frei aus der 
Mauer heraus (Fig. 120) und dies ist am häufigsten der 
Fall oder er wird durch einige Säulchen gestützt. An den 175
        

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