Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

I 
Die Renaissance. 
Wenn wir die Art der Anwendung der thierischen 
und namentlich der menschlichen Formen in der Renais­ 
sancezeit mit jener des Mittelalters vergleichen, werden 
wir sagen müssen, dass man in der Renaissance die mensch­ 
liche Gestalt weit seltener und fast nie massenhaft an­ 
wandte, wenn dieselbe aber zur Verwendung kam, erhielt 
sie einen bevorzugten Platz und war weit mehr der Mittel­ 
punkt der Beziehungen, als dies im Mittelalter der Fall war. 
A. Behandlung der animalischen Formen des Reliefs 
und der Malerei. 
Die Renaissancezeit hatte eine lange Dauer und war 
weit mehr zahlreichen Einflüssen und Umgestaltungen aus­ 
gesetzt als andere Kunstperioden, weshalb es geboten er­ 
scheinen wird, die Hauptabschnitte gesondert zu betrachten. 
Die Frührenaissance charakterisiert sich durch eine 
naive Frische und durch die Lust zu decorieren, diese Zeit 
fand namentlich ihre höchste Befriedigung in der sorg­ 
fältigen Ausbildung des Pflanzenornamentes, dabei sah sie 
aber bald ein, dass eine Belebung desselben durch andere 
Motive fast nothwendig erscheine, dazu eigneten sich aber 
neben einigen leblosen Formen, namentlich die thierischen 
und menschlichen Gestalten. Zunächst entstand die Frage, 
wie sei das animalische Element mit dem Pflanzengeranke
        

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