Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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den Figuren hatten häufig über sich den blauen Himmel, 
sassen nicht selten auf rosigen Wolken, oder befanden 
sich in einer imposanten Phantasiearchitektur, welche sich 
in oft täuschender Perspective auf der halbkugelförmigen 
Fläche der Kuppel mit anerkennenswerther Kühnheit 
Technik und Correctheit angebracht befand. Daneben er­ 
hielten aber auch gerade Stuck- oder hölzerne Cassetten- 
decken an passenden Stellen einen reichen Schmuck von 
Gemälden, historischen, biblischen oder allegorischen Inhalts. 
Die Figuren charakterisieren sich durch energisches Auf­ 
treten, lebhaftes Wesen und durch fliegende Gewänder. 
Immerhin wird man den Meistern dieser Zeit eine auf das 
Grosse gerichtete Auffassung und eine, phantasievolle, 
virtuose Behandlung ihres Stoffes nicht absprechen können. 
Noch mehr als durch die Malerei wurde der Barock­ 
stil durch die Plastik beherrscht, es lag zu sehr im Geiste 
dieser Zeit, die Wirkung durch Anordnung grösser Massen 
und durch Hervorheben des Contrastes zu erreichen. Das 
beliebteste Material war der Stuck und der am häufigsten 
verwendete Gegenstand der menschliche Körper, dieser 
kam in der Spätzeit seltener mehr mit vegetabilischen 
Ornamenten gemischt vor, vielmehr zumeist für sich allein, 
namentlich häufig auf Decken, Gesimsen und Bekrönungen, 
seine Aufgabe war zuweilen ein spielendes Stützen eines 
Rahmens, das Halten eines Medaillons, Wappens oder 
Festons oder das Zurückschlagen eines Vorhanges, sehr 
häufig aber hatte er keine weitere Aufgabe als diejenige, 
einen Raum entsprechend zu schmücken, die beliebtesten 
Gestalten waren auch hier Kinder, die sich auf Giebeln, 
Gesimsen und Decken festsetzten und hier nicht selten 
wahre Akrobatenkunststücke aufführten, indem sie in 
schwindelnder Höhe sich die gefährlichsten Punkte auf-
        

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