Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

bilden und in zu grösser Zahl anzuwenden, weil sie dann 
leicht den Eindruck einer militärischen Aufstellung machen 
würden, dass es aber auch andererseits nicht zu empfehlen 
sein dürfte, Attikafiguren, die sich vom Himmel abheben, 
in allzuheftiger Bewegung mit fliegenden Gewändern dar­ 
zustellen, wie dies namentlich in der Zopfzeit geschah, weil 
dadurch der Eindruck des Unruhigen erzeugt werden muss. 
Insbesondere wird aber auch der Bildhauer darauf Rücksicht 
nehmen müssen, dass seine Statue von unten aus gesehen, 
nicht durch Verkürzungen und Überschneidungen einen 
unangenehmen Eindruck hervorruft, am allergefährlichsten 
ist dies bei sitzenden Statuen, bei welchen ein nach der 
Natur gebildeter menschlicher Körper von einem nahen 
unteren Standpunkt aus betrachtet sich so ungünstig ge­ 
stalten kann, dass die vortretenden Knie den ganzen Ober­ 
körper verdecken, aus diesem Grunde erhalten die Ober­ 
schenkel hoch angebrachter sitzender Statuen am besten 
eine so steile, schiefe Lage, dass der Beschauer den 
Oberkörper der Statue noch sehen kann. 
Aber auch die Höhe der Attikafigur ist von grösser 
Wichtigkeit, denn es ist gerade dieses Beiwerk dasjenige, 
das auf die Grössenverhältnisse den bedeutendsten Einfluss 
übt und zwar in der Weise, dass kleine Figuren die 
Verhältnisse eines Gebäudes grösser und grosse Figuren 
dieselben kleiner erscheinen lassen. Im Allgemeinen wünschen 
die Architekten die Verhältnisse ihrer Bauwerke grösser 
erscheinen zu lassen als sie wirklich sind, weshalb sie sich 
namentlich vor allzugrosseii Figuren zu hüten haben werden. 
Die richtige Höhe für eine Attikafigur zu finden ist eine 
schwer zu lösende Aufgabe, hauptsächlich deshalb, weil 
die Statuen sehr häufig auf vielgeschossige Bauten zu stehen 
kommen, wornach hat sich dann die Höhe der Figur zu
        

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