Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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auch ihren Namen erhalten*). In der Bewegbarkeit der 
Möbeln liegt auch der Hauptgegensatz im Vergleich zu 
dem unverrückbaren, auf festem Fundamente aufruhenden 
Monumente. Will ich demnach an einem Möbel 1. eine 
Endigung nach unten und 2. die Beweglichkeit andeuten, 
so werde ich das sehr wohl thun können, wenn ich das 
Möbel auf Thierfüsse stelle. (Fig. 3.) 
Nun haben aber die Flisse der Thiere in der Natur neben 
ihrer Beweglichkeit und Endigung nach unten noch eine andere 
Aufgabe zu erfüllen und diese ist das Tragen des Thier­ 
körpers, auch dieser Umstand findet im Geräthewesen ana­ 
loge Anwendung, indem man z. B. Stuhlbeine einen Ober- 
theil und den darauf sitzenden Menschen tragen lässt, nur 
wird in diesem Falle nicht bloss der untere Theil des Fusses 
zur Verwendung kommen dürfen, sondern das ganze Thier­ 
bein (Fig. 4), denn bloss dieses veranschaulicht, das Tragen 
und Stützen eines Gegenstandes, zugleich wird aber auch 
der schaffende Künstler den Grad der Beweglichkeit leicht 
ausdriicken können, einmal indem er das Geräthe mehr 
oder weniger leicht äufbaut — dann aber auch durch die 
Gattung und eigenthümliche Form der verwendeten Thier­ 
beine, so werden sich z. B. Rehfiisse sehr wohl eignen, einen 
leichten Gegenstand zu stützen und eine grosse Beweglich­ 
keit anzudeuten, während schwere Löwentatzen am besten 
dort Anwendung finden werden, wo ein geringerer Grad 
von Beweglichkeit symbolisiert werden soll. 
b) Sollen Theile der Thiere dazu verwendet werden, 
um im Geräthewesen oder der Architektur gewisse structive 
*) Vergleiche Semper: Der Stil pag. 386 und des Verfassers Bro­ 
schüre : Ein Beitrag zur Charakteristik der Stilgesetze. Prag, 
H. Dominicus. 1882, pag. lf>.
        

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