Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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aber in dieser Beziehung sehr bedeutende Stilfehler gemacht 
werden, liesse sich durch zahlreiche Beispiele erhärten ; wir 
wollen bloss eines hier anführen. So sah der Schreiber dieses 
an einem modernen Hause einen Balkon von Panthern 
getragen, welche die Stelle der sonst üblichen Consolen 
einnahmen — diese Thiere aber waren im Sprunge dar­ 
gestellt — dann muss offenbar in der Vorstellung des Be- 
schauers der Balkon mit fortgerissen werden und gehört 
nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, die Panther 
sammt den Trümmern des Balkons auf dem Strassen- 
pflaster liegen zu sehen. Solche Vorstellungen dürfen aber 
in dem gebildeten Beschauer niemals erzeugt werden und 
muss eine derartige Verwendung von animalischen Formen 
als ein grober Stilfehler bezeichnet werden. 
Ausserdem ist aber die structive Symbolik ganzer 
Thier- oder Menschenformen viel materieller und aufdring­ 
licher, als dies bei jener der Pflanzenformen der Fall ist, 
in Folge dessen müssen animalische Gestalten mit weit mehr 
Vorsicht behandelt werden. Bauformen, die mit den weit 
neutraleren Pflanzenornamenten verziert erscheinen, werden 
sich niemals im vollen Umfange durch Thier- oder Menschen­ 
gestalten ersetzen lassen. So würde es ohne Zweifel einen 
recht ungünstigen Eindruck machen, wollte man beim grie­ 
chischen Tempel die Säulen der herumlaufenden Halle durch 
tragende Menschengestalten ersetzen, dies würde den Ein­ 
druck einer militärischen Aufstellung hervorrufen, welcher 
weder vom schaffenden Künstler beabsichtigt sein kann, 
noch empfohlen werden dürfte. 
Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass sich die 
ganze thierische oder menschliche Gestalt im Allgemeinen 
nicht eignet als structives Glied in das starre System der 
monumentalen Architektur eingefügt zu werden.
        

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