Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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holung, wobei eine Statue genau das Ebenbild der anderen 
ist, hinter diesen Statuen steht der eigentliche Wandpfeiler, 
an welchen sich die figuralen Seulpturen anlehnen. (Fig. 8.) 
Hier ist demnach der structive Theil und die Decoration 
vollständig und materiell geschieden, denn bloss der Pfeiler 
trägt, während die davor stehende Statue reiner Schmuck 
ist. Diese ägyptische Auffassung steht in directem Gegen­ 
sätze zur griechischen, dort ist der tragende Kern und die 
schmückende Hülle zu einem einheitlichen, untrennbaren 
Ganzen vereinigt und auf diese Weise entstanden die herr­ 
lichen Karyatiden, die wir noch zu besprechen haben werden; 
diese eigenartige Anschauung ägyptischer Kunst zeigt sich 
ja auch bei den Lotoskelcbcapitälen, die wir iin I. Theil 
dieses Werkes behandelt haben, bei welchen ebenfalls der 
tragende Kern und die decorierende vegetabilische Umhüllung 
materiell getrennt erscheint. 
Fig. 9. Scarabaeus als Mittelpunkt der geflügelten Sonne. 
(Ornamentenschiitz.) 
Zu den in rein tendenziöser Verwendung stehenden 
Thierformen gehört namentlich der heilige Käfer (Scara­ 
baeus, Fig. 9), der sehr häufig als Mittelpunkt der so­ 
genannten geflügelten Sonnenscheibe auftritt und zwar in 
der Weise, dass statt der Sonne der Käfer abgebildet er­ 
scheint, desgleichen finden sich häufig heilige Schlangen vor, 
entweder ebenfalls in Verbindung mit der Sonnenscheibe.
        

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