Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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namentlich auch von Hirten und Viehzüchtern verehrt und 
galt als Herdengott, die Hirten setzten ihm Marksteine an 
den Wegen, welche anfangs ungestalt waren, späterhin 
wurden sie viereckig gebildet und erhielten einen Kopf 
angearbeitet. Solche Hermen fanden sich namentlich häufig 
im Hirtenlande Arkadien, dann aber auch zu Athen, wo es 
eine Hermenstrasse gab, unter den Pisistratiden wurden 
sie in ganz Attika sehr häufig an Strassen und Wegen, als 
Grenzpfähle und Wegweiser benützt und oft mit frommen 
Sittensprüchen versehen, ohne dass dadurch ihr religiöser 
Charakter eine Einbusse erlitten hätte.*) 
Thier- und Menschenformen werden aber in Griechen­ 
land nicht nur zur Bildung von structiv thätigen Bautheilen 
verwendet, sondern auch ziemlich häufig als Endigungen 
nach oben und als Ausklang eines architektonischen Bau­ 
werkes, so namentlich in den Akroterien, dem bedeutsamen 
Schmuck der Giebel. Der Giebel des antiken Daches bildet 
ein dreieckiges Bahmenwerk, das keine Last mehr aufzu­ 
nehmen hat, sondern nur als obei-er Abschluss fungiert, 
zugleich ist er der Repräsentant oder Chorführer der ganzen 
Reihe der inneren Giebeldreiecke der Dachconstruction und 
so ein sehr wichtiges Glied der ganzen Tempeltektonik. 
Der griechische Giebel unterscheidet sich vom römischen 
durch seine geringere Höhe, infolge dessen fordert derselbe, um 
das Ausgleiten der flach aufliegenden Schenkel zu vermeiden, 
wenigstens für das Auge eine stärkere Belastung der Ecken, 
aus diesem Grunde haben griechische Giebel zumeist eine 
massigere Eck-Akroterie aufzuweisen, seltener ist es eine 
Palmette, meist sind es Thiergestalten, namentlich Greifen; 
die Mitte des griechischen Giebels dagegen, die keine 
*) Vergleiche Denkmäler des classischen Alterthums, pag. 673.
        

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