Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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haltend, vielleicht Personificationen der Hoffnung. (Fig. 17.) 
Die lyraähnliche Mittelakroterie wurde rückwärts von einem 
löwenköpfigen Greif mit den Tatzen gehalten. 
Ausser den Akroterien, die, wie es scheint, sehr häufig 
aus animalischen Elementen gebildet wurden, sind es noch 
die Wasserspeier der griechischen Tempeldachrinnen, die 
hier Erwähnung finden müssen. Diese sind zumeist in der 
Gestalt von Löwenköpfen gebildet, die aus ihrem Rachen 
das Wasser weit weg vom Tempelgrund auszuspeien haben. 
Nachdem der Thierkopf zum Ausspeien des Wassers voll­ 
kommen befähigt erscheint, ist seine Anwendung als architek­ 
tonischer Wasserspeier wohl gerechtfertigt und dass unter 
den verschiedenen Thieren fast ausschlieslich der Löwe 
hiezu ausersehen wurde, hat seinen Grund darin, dass 
dieses Wüstenthier als Quellenbeschützer mit dem Wasser- 
cult in nahen Beziehungen stand. (Vergleiche Fig. 16.) 
Dass aber die griechische Kunst nicht immer allzu 
akademisch streng in ihren stilistischen Principien war, 
dass sie es vielmehr zuweilen verstand, sich über das 
nüchterne Schema hinweg zu setzen, um neue lebensfähige 
Formen zu gestalten, sehen wir unter anderem an den 
ansgegrabenen Säulen des Artemistempels zu Ephesus, bei 
diesen ist der untere Theil des Säulenschaftes, ein eminent 
structives Bauglied, dadurch in ein neutrales Feld umgewandelt, 
dass man die Canneluren fortgelassen und statt dessen 
figúrale Compositionen angeordnet hat, von welchen eine davon 
nach Plinius’ Berichten sogar von der Hand des berühmten 
Skopas herrühren soll. (Fig. 18.) Einige Jahrhunderte später 
hat die Renaissancezeit, ohne eine Ahnung von diesem 
griechischen Beispiele zu haben, Säulenschäfte in gleicher 
Weise verziert.
        

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