Full text: Das Stilisieren der Thier- und Menschen-Formen

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erinnern an uralte Traditionen, so das Oberitalienische Motiv: 
Säulen, namentlich der Portale und Kanzeln auf Löwen zu 
stellen, offenbar liegt hier vorwiegend eine tendenziöse 
Symbolik zu Grunde, welche etwa sagt: die Kirche, äusser- 
lich repräsentiert durch die Säulen der Vorhalle und inner­ 
lich am besten durch den Ort. 
wo das Wort Gottes verkündiget 
wird, die Kanzel, ruht auf den 
stärksten Grundlagen, welche hier 
symbolisch angedeutet werden 
durch das stärkste Thier — den 
Löwen. (Fig. 43.) Dies ist aller­ 
dings eine naive und primitive 
Symbolik, welche sich aber merk­ 
würdiger Weise viele Hundert 
Jahre vorher in fast derselben 
Weise wiedergegeben findet und 
zwar in den assyrischen Kelief- 
darstellungen, wo Säulen eben­ 
falls auf geflügelten und un­ 
geflügelten Löwen ruhend, ab­ 
gebildet erscheinen (vergleiche 
Fig. 12). Dass ein Zusammen- 
p'ig. 43. Portal der Domkirche bang zwischen der romanischen 
zu Bozen. mKl assyrischen Anwendung des 
(Nach W. Bauhütte.)Löwen als Säulentrager besteht, 
ist zwar möglich, nachdem die altchristliche und mit dieser 
die romanische Kunst manche alttestamentarische Motive 
übernommen hat, aber notlnvendig ist es nicht, indem 
Kunstperioden in ihren Anfängen gerne eine roh natura­ 
listische und zugleich tendenziöse Symbolik annehmen und 
dann ist es leicht möglich, dass zwei Stilarten zu einem und
        

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