Full text: papers communicated to the first International Eugenics Congress held at the University of London, July 24th to 30th, 1912

380Section IV.A. Bluhm. 
■den folgenden Generationen mannigfachen Schaden zu. Wenn Sie die 
Eugenik definieren als “ the study of agencies under social control, that may 
improve or impair the racial qualities of future generations, ” so nimmt 
die Medizin unter den Studienobjekten der Eugenik sicherlich einen wich­ 
tigen Platz ein. Und innerhalb der medizinischen Therapeutik ist es 
wiederum die Geburtshilfe, durch welche der Rasse besondere Gefahren 
•drohen. Gestatten Sie mir deshalb, über die Beziehung der Geburtshilfe zur 
Rassenhygiene heute einige Worte zu sprechen. 
Einer der führenden Geister in der deutschen eugenischen Bewegung, 
Dr. William Schallmayer, hat vor mehr als 20 Jahren das Wort geprägt: 
“ Je erfolgreicher die Geburtshilfe sich entwickeln wird, desto mehr werden 
die kommenden Generationen sie nötig haben.” Mit anderen Worten, die 
ärztliche Geburtshilfe vermehrt die Gebärunfähigkeit und bedroht so den 
Bestand der Rasse. 
Lassen Sie uns untersuchen, ob dieses Wort zu recht besteht und wie wir 
uns aus dem Dilemma retten können. 
Sie kennen alle das Bibelwort: “ Ich will Dir viel Schmerzen schaffen, 
wenn Du schwanger wirst. Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären ” 
{“ I will greatly multiply thy sorrow and thy conception; in sorrow thou 
«halt bring forth children ”). Dieselbe Empfindung, welche vor bald 
.3,000 Jahren den Autor der Genesis dazu trieb, den Geburtsschmerz als 
göttlichen Fluch, als Strafe für das übertretene Gebot hinzustellen, 
beherrscht uns noch heute, nämlich das Gefühl, dass dieser Schmerz etwas 
Unnatürliches ist. Es erscheint uns als etwas Selbstverständliches, wenn uns 
die Reisenden von den leichten, schmerzlosen Geburten der sog. Naturvölker 
(primitiven Völker) berichten. Freilich sind diese Berichte, da sie nur 
zum geringen Teil auf eigener direkter Beobachtung und zumeist auf 
“ Hörensagen ” beruhen, mit Vorsicht aufzunehmen, und die Behauptung, 
dass bei den Naturvölkern die Geburten keinerlei Beschwerden machen, 
bedarf entschieden der Einschränkung. Immerhin kann man sagen, das 
die Gebärfähigkeit der Kulturvölker im Vergleich zu derjenigen der primi­ 
tiven Völker eine pathologisch veränderte ist. 
Was ist nun diese Veränderung, diese Degeneration zustande gekommen ? 
Wie aus dem Citat der Genesis hervorgeht, muss bei den Juden um das 
Jahr 850 v. Chr. die schmerzhafte Geburt die Regel gewesen sein. Die 
Juden besassen damals zwar schon eine relativ hohe Kultur, aber nach den 
Mitteilungen verschiedener Autoren doch nur eine ziemlich mangelhafte 
Geburtshilfe. Es kann sich demnach bei ihnen nicht um eine Äbschwä- 
chung der Geburtsauslese durch erfolgreiche Kunsthilfe und eine daraus 
folgende häufigere Vererbung verminderter Gebärfähigkeit gehandelt haben. 
•Dass bei dem Zustandekommen der erschwerten Geburten bei den Kulturvöl­ 
kern noch andere Faktoren stark mitsprechen, darauf weisen auch die 
Berichte über die Geburten in den verschiedenen Ständen in China hin. Hier
        

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