Full text: Problems in eugenics

A. Bluhm.Medicine and Eugenics.385 
Die ärztliche Geburtshilfe beeinflusst nun aber nicht nur die 
Gebärfähigkeit der folgenden Generation, sondern sie besitzt noch weitere 
Wirkungen, die für den Bestand der Rasse von Bedeutung sind. 
Es ist unzweifelhaft, dass eine zu lange Geburtsdauer die Lebensfähig­ 
keit der Früchte beeinträchtigt. Schon die normale Geburt bedingt eine 
starke Bedrohung des kindlichen Lebens. Verzögert sich der Akt durch 
herabgesetzte Gebär fähigkeit der Mutter, so kann selbst eine Frucht von 
normaler Widerstandsfähigkeit demselben erliegen. Ja, besonders 
kräftig entwickelte Kinder, die häufig als solche die alleinige Ursache der 
Verzögerung sind, erscheinen besonders gefährdet. Hier schützt die 
Abkürzung der Geburt durch ärztlichen Eingriff die Rasse nicht nur vor 
quantitativem, sondern auch vor qualitativem Verlust, auch bei normaler 
mütterlicher Gebärfähigkeit d.h. ohne einer Vermehrung der Gebärun­ 
tüchtigkeit Vorschub zu leisten. 
Auf der anderen Seite wird durch bestimmte operative Eingriffe der 
kindliche Körper, insbesondere der Schädel zuweilen erheblichen 
Verletzungen ausgesetzt, die zwar nicht zum sofortigen Tode führen, aber 
doch schneie Störungen der betroffenen Organe, namentlich des Gehirns mit­ 
sich bringen können. In welchem Umfange dies tatsächlich stattfindet, 
darüber ist man heute noch nicht ganz einig. Nach neueren Unter­ 
suchungen scheint die Bedeutung der Geburtsverletzungen für die Entstehung 
der Geisteskrankheiten nicht so gross zu sein, als man eine Zeit lang 
anzunehmen geneigt war. Immerhin konnte ich aus den Krankenge­ 
schichten der 215 Patienten, welche sich im Frühjahr 1905 in der 
schweizerischen Anstalt für Epilektiker und Idioten bei Zürich befanden 
11 Zangengeburten feststellen. (7 mal hatten dabei deutliche Schädelver­ 
letzungen stattgefunden.) Es ist dies ein Prozentsatz von 5,1, der den 
üblichen von 2-3% erheblich übersteigt. 
Auffallend war mir in der gleichen Anstalt der hohe Prozentsatz der 
Frühgeburten (7%). Diese Beobachtung scheint mir für die Beurteilung 
der künstlichen Frühgeburt in ihrer Bedeutung für die Rasse nicht unwichtig 
zu sein. Man könnte nämlich a priori meinen, dass abgesehen von der 
Möglichkeit, die Gebärunfähigkeit zu vererben, diese Operation vom 
Standpunkt der Eugenik durchaus zu billigen sei. Denn die frühgeborenen 
Kinder sind ja einer viel stärkeren Auslese unterworfen als die rechtzeitig 
geborenen, und nur die widerstandsfähigen bleiben am Leben. Leider 
wissen wir fast garnichts über deren späteres Schicksal. Sollte es sich 
bestätigen, dass sie geistigen Störungen in grösserem Umfang unterworfen 
sind als die rechtzeitig Geborenen, so wäre im Interesse der Rasse die 
künstliche Frühgeburt aus der ärztlichen Geburtshilfe zu verbannen. 
Beachtenswert erscheint mir auch das häufige Vorkommen von Rachitis 
bei den Insassen der Irrenanstalt zu Klingenmünster in der Rheinpfalz, 
das ich aus den Krankengeschichten feststellen konnte, und zwar um so 
mehr, als in der Pfalz das Selbststillen, welches der Rachitis entgegen- cc
	        

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