Full text: Problems in eugenics

386Section IV.A. Bluiim. 
wirkt, sehr verbreitet ist. Da die Geburtshilfe, wie wir sahen, die 
Verbreitung der Rachitis begünstigt, so würde sie auch auf diesem Umwege 
der Entstehung von Geisteskrankheiten Vorschub leisten. Es bedarf 
indessen noch grösserer Beobachtungsreihen, als bisher vorliegen, um den 
betreffenden Zusammenhang zu beweisen. 
Wir kommen nun zu der Frage: wie können wir verhindern, dass die 
Geburtshilfe der Rasse immer von neuem und in wachsendem Masse 
Schaden zufügt? Im Hinblick auf die uns allen in Fleisch und Blut 
übergegangene Humanität ist es völlig ausgeschlossen, dass wir jemals der 
weiteren Ausbreitung der Geburtshilfe eine Schranke setzen. Die 
Vorstellung, dass gebärunfähige Frauen aus Mangel an ärztlicher Hilfe 
elend zugrunde gehen müssen, ist für unsere Menschenwürde tief verletzend. 
Wir müssen deshalb auf andere Mittel sinnen, um den Gefahren, die der 
Rasse aus der vermehrten Geburtshilfe erwachsen, vorzubeugen. Das 
beste wäre natürlich, wenn die gebäruntüchtigen Frauen von vornherein 
auf Nachkommenschaft verzichten würden. Vereinzelt kommt dies bereits 
vor; ob es aber je in grösserem Umfang zu erreichen sein wird, das 
erscheint mir zweifelhaft. Das würde nur möglich sein, wenn wir 
diesbezügliche gesetzliche Ehebeschränkungen besässen. Dabei wäre zu 
bedenken, dass die Gebäruntüchtigkeit bereits so stark verbreitet ist, dass 
einzelnen Völkern aus solchem umfassenden Ausschluss ein bedenklicher 
quantitativer Verlust erwachsen würde, der nur dadurch ausgeglichen 
werden könnte, dass die gebärtüchtigen Frauen um so mehr Kinder in die 
Welt setzen. Zur Zeit aussichtsreicher erscheint mir folgende Massregel : 
Wie wir sahen, ist es zumeist nicht die Abnormität des Gebärapparates, 
sondern nur die Disposition zu derselben, welche vererbt wird. Es 
müssen noch äussere Schädlichkeiten hinzukommen, um die letztere zur 
Abnormität zu entwickeln. Wir müssen deshalb bestrebt sein, einer solchen 
Entwicklung vorzubeugen. Wieweit dies hinsichtlich einer ungünstigen 
Anlage des Muskelsystems möglich ist, kann heute noch nicht mit 
Sicherheit beantwortet werden. Einen gewissen Erfolg dürfte eine 
vernünftige Lebensweise auch hier haben. Jedenfalls können wir, und das 
scheint mir im vorliegenden Fall besonders wichtig zu sein, in weitem 
Umfang verhindern, dass sich aus der Disposition zu Rachitis eine wirkliche 
schwere Rachitis mit Beckendifformität entwickelt. Brustnahrung und 
sonnige, luftige Wohnungen vermögen hier viel zu tun. Das dürfen wir 
natürlich nicht dabei vergessen: Wenn es uns auch auf, diese Weise gelingt 
zu verhindern, dass die Tochter einer gebär unfähigen Frau selbst 
gebärunfähig wird, so bedeutet das nicht eigentlich eine Viassexwerbesse- 
rung. In den Keimzellen dieser Töchter ist die Disposition zur Rachitis 
wahrscheinlich ebenso enthalten wie in denjenigen ihrer Mutter, und ihre 
Kinder laufen Gefahr ebenso rachitisch zu werden wie die Grossmutter. 
Immerhin ist, wie aus unseren obigen Bemerkungen hervorgeht, auch der 
Rasse schon damit gedient, wenn die Entwicklung der Rachitis und die
	        

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